Einbau in die Kulturgarage

Bar-Entstehung

Ursprünglich war eine gerade Theke geplant, die, von rechts beginnend, nach 4m um 45° abgewinkelt nach hinten läuft.

 

Auf einer Baustelle eines Kinderbekleidungs-fachgeschäftes in Freiburg (Breisgau) waren 4cm starke massive Buchenplatten übrig. Viel zu schade um sie wegzuwerfen. Allerdings hatte die Sache zwei Haken. Zum einen der Transport, der mit viel Geschick, Überredungskunst und der Überbeanspruchung der hinteren Stossdämpfer noch zu realisieren ging.

 

Zum Anderen keinen wirklichen Haken sondern vielmehr die Form von Kreisbogenabschitten. Und, wie sollte es auch anders sein, Löcher noch mitten in den Platten, wo diese früher vermutlicht zum Lackieren aufgehängt waren.

 

Diese Platten mussten unbedingt verwendet werden. Nach Abnahme aller Maße und Berechnung der Radien konnte ein Plan für Thekengrundriss, Überbau und Rückschränke erstellt werden.

Aufbau und Materialherkunft:

 

Vorrangige Aufgabenstellung war es, diese aus den vorhandenen Mitteln der Papierfabrik herzustellen und nur das notwendigste zuzukaufen.

 

Die Bar in Form einer 3 besteht aus einem Podest aus Europaletten. Die Front ist aus senkrechten Balken gefertigt, die Früher das Vordach an der Turnhalle bildeten. Daran Sperrholz, welches vorher Wandzeitungen diente.

 

Die Thekenarbeitsfläche ist, wie beschrieben, aus den Bucheplatten; die Löcher wurden mit passenden Eigenbaudübeln verschlossen. Darauf sind 2 Aufsatzstücken (auch aus Freiburg) und ein herausnehmbares Zwischenstück aus einem Buchenholz-Materialrest einer Privatbaustelle. Die Füllung ist aus Acrylglas, noch einem Rest von einer anderen Baustelle. Der rechts integrierte Spind ist aus dem Altbestand der Papierfabrik, stand früher nebenan in Garage 14.

 

Der Rück- bzw. Spülenschrank besteht aus 2 modifizierten Spülenschränken eines Privathaushaltes, welche zum richtigen Zeitpunkt gespendet wurden.

 

Darüber 3reihig an der Wand, wie auch bei den Thekanaufsatzstücken rot-mint-farbene (Designer-)DDR-Fliesen. Diese kommen aus dem Kellerbestand eines, in Rente gegangenen, Fliesenlegers.

 

Der Überbau besteht aus 8 zweckendfremdeten Hängeschränken für Dunstabzugshauben, die preisgünstig aus einer Lagerauflösung erworben wurden. Die Unterseite ist mit einer formgefrässten MDF-Platte versehen. An der Vorderkante gibt es gewölbtes transparentes Acrylglas für wechselnde Dekorationen, z.B. Flyer oder Fotos. Die Schrankrückseiten oben sind mit Sperrholz, wieder ein Materialrest einer Baustelle, versehen.

Entstehung

 

Die Überlegung an sich begann schon recht früh, man könnte es auf das Jahr 2007 zurückverfolgen. Die ersten konkreten Überlegungen begannen im Frühjahr 2009, als eine Fertigstellung der Garage 11/12 in nicht mehr allzu weiter Entfernung lag.

 

Den eigentlichen Startschuss gab das Projekt "Beweg dich, dann bewegt sich Etwas" der Bereichsjugendpflege. Als Workshop "Holzbearbeitung", verbunden mit einer Projektwoche der Greizer Lessingschüler und der Überlegung, Jugendliche dauerhaft für Projekte und Freizeitaktivitäten zu begeistern.

 

Der Baufortschritt war erwartungsgemäß niedrig. Bis Jahresende 2009 konnten noch einige Jugendliche motiviert werden, weiter zu arbeiten. Zu Beginn des Winters wurde der Herstellungsort in Müllos Werkstatt verlagert wo die Schrankkombination für den überbau noch hergestellt werden konnte.

 

Schwierigkeiten bei der Erstellung

Ein größtes Problem gab es nicht. Vielmehr eine Unzahl von kleinen Unzulänglichkeiten die da wären:


  • Die Theke konnte nich an ihrem endgültigen Platz hergestellt werden, da zu Baubeginn der Boden in Garage 11/12 noch nicht fertig war.

  • Die Form der 3 verkompliziert alle Berechnungen sowie die Konstruktion der Vorderfront. Schon beim Bau des Podestes musste dies mit entsprechenden Radien berücksichtigt werden.

  • Im Rückbereich mussten Thekenstützen so platziert werden, dass ein Maximum an Stauvolumen entsteht. Durch geschickte Anordnung ist jetzt Platz für 16 Getränkekästen, mit Spind sogar 21.

  • Der Überbau kann nicht nach unten abgestützt werden, da es zu Komplikationenen mit Arbeitsplatte, Arbeitsbereichen und Stauraum darunter kommt. Es wurde eine Lösung gefunden, diese tragfähig von der Decke abzuhängen.

 

 

 

Neubeginn 2010

 

Nach langer Temperatur- & platzmangelbedingter Winterpause konnte im April 2010 endlich weitergearbeitet werden.

 

Die Jugendlichen hatten sich inzwischen wieder anderweitig zwischen Fußball und Computer orientiert, sodass die Theke von Stefan Eisermann und Thomas Müller in Eigenregie weitergebaut wurde.

 

Das Foto rechts zeigt die Herstellung der Unterseitenverkleidung des Überbaus: hier der erste Versuch der Fräsung von Radien mit selbstgebautem Fräszirkel. Bei der ersten "Anprobe" dieser Platte wurde allerdings festgestellt, dass die Proportionen nicht harmonierten. Also nochmal von vorn. Eine neue MDF-Platte bestellt, an zwei Seiten verlängert und die darüber befindlichen Schränke um Einen erweitert.

 

Zahlen und Fakten

Maße:

Außen: L 5,62m x T 2,23m x H2,42m

 

Kosten

Durch vorrangigen Einsatz von vorhandenen Ressourcen konnten die Materialkosten auf unter 800€ begrenzt werden. Angesichts der Größe und Ausführungsqualität ist das schon beachtlich.

Hätte man alles kaufen müssen, wäre man auf einen Betrag für Arbeitsplatten, Verlegeplatten, Balken, Bodenbeläge, Kabel, Schränke, Spind, Edelstahl, Spüle, Licht und alles Holzmaterial von über 3000€ gekommen. Inclusive der ca.500h für die Herstellung er Bar käme man auf einen Wert von etwa 10-11000€

 

Gestaltungsidee:

Im Wesentlichen sollte der Industricharakter der Garage beibehalten werden; in Kombination mit etwas Luxus und Funktionalität. Der rechts integrierte Spind ist hinten offen, wird 2. Ausgang für die Theke, Leergutlager oder Platz für Bierfässer.

Bis zur Fertigstellung

war es noch ein weiter Weg. Alle Flächen mussten geschliffen, gespachtelt und lackiert werden. Ein historischer Kühlschrank wurde aufgearbeitet und implementiert, 20m Nut gefrässt und Lichtschlauch eingeklebt, Kabel verlegt, Bodenbelag verklebt, Kabelrinne hergestellt usw...

Im Juli 2010 haben wir aufgehört, die Stunden zu zählen, da waren es incl. Workshop aus 2009 knapp 400 Stunden.

Lange hergeschobenes Problem für das keiner eine Lösung finden wollte war die Spüle. Es wäre ein Leichtes gewesen, alles neu zu kaufen, was aber der ursprünglichen Motivation nicht entsprach. Ein Glücksumstand brachte aus einem ehemaligen Klingentaler Altenpflegeheim eine Spülstrecke hervor. Diese wurde nach großem Zögern und der Feststellung, dass sie später doch nicht anderweitig genutzt würde, "geschlachtet" und der Form der vorhandenen Rückschränke angepasst.

Danksagung

Ohne Rückendeckung des gesamten Vereins wäre ein solches Projekt undenkbar. Herzlichen Dank dafür an Alle und an Peter Schmidt für sein persönliches Engagement. Besonderer Dank für die Unterstützung bei Transport, Workshop und Herstellung gilt:

 

Montagedienste Jens Schorr, Treuen

Jugendverein "Römer" e.V., Zeulenroda

Steffi Drese, Greiz

Staatliche Regelschule G.E.Lessing Greiz

Werkzeugfachhandel WPSinger, Wellsdorf

Netzwerkstelle Jugendarbeit des KSB, Stephanie Schrader, Greiz

 

Baubeteiligte:

Müllo

Stefan Eisermann

Phillip Kühn

Stephan Marek

 

10 Schüler der Lessingschule während ihrer Projektwoche