Bolschoje Spasibo
Apparatschik am 30.10. in der Kulturgarage.
"Guten Abend liebe Freunde und Kenner der russischen Sprache..." - so begann der Abend, der so gar nicht nach amerikanischen Halloween anmutete. Weder Kürbisse noch Gruselmonster wagten es heraus zu kommen. Ein Genuss! Lediglich ein paar niedliche Schäfchen und Kätzchen verirrten sich.
Nur wer noch ein Paar Brocken russisch verstand, konnte dem Text von Hauptgefreitem Olaf folgen. Im Zeichen des roten Oktober hatten wir 4 Matrosen der Schwarzmeerflotte zu Gast. Viktor, Olaf, Alf und Misha, die nach eigenen Angaben aus dem patjomkinschen Dorf Machorka in Tabakistan stammten. Die wohl nicht ganz ernst gemeinte Ortsangabe hatte System. Verwirrung zu stiften, war oberstes Gebot. Im Zeitalter von Perestroika und Glasnost, 1988, machten sich die 4 Machorkaner auf den Weg, dem musikalischen Kapitalismus, den "amerikanskije wickseri" den Kampf anzusagen.
Ein leicht befremdliches Gefühl machte sich breit, diese so eigenwillige Mischung englischer und russischer Texte mit russischem Akzent zu hören.
Soviet Grooves - Ihre Musik ließ sich wohl mit: russische Volksmusik mit Tanzcharakter am Besten beschreiben. In ihrem ganz eigenen Apparatschik-Style, der Elemente von Rock'n'Roll, Raggae, Ska und moderner Instrumentalmusik vereinte, spielten sie jenseits eines Leningrad-Cowboy-Kommerzes. Feinste, handgemachte Hausmusik, bei der man die Bilder alter russischer Märchenfilme in den Kopf bekommt. Das Großmütterchen Mamuschka, das im Sonnenuntergang mit Kopftuch vor dieser Holzhütte sitzt und Kartoffeln schält...
Allen Voran die Balaleika und das Akkordeon. Gefolgt vom Schlagzeug und nur dezent eingesetztem Synthesizer. Titel von ihren Liebeleien Katja und Marusja, aber auch von der LPG (Kolchos) und vom Familienleben kamen dran. Ob das Lied über den Kürbis Absicht war, bleibt wohl für immer ein ungeklärtes Rätsel.
Jedenfalls überbrachte uns das Dance Party Committee das heiße Feeling langer Sankt Petersburger Nächte. Statt sibirischer Kälte war es huschelig in der beheizten Kulturgarage mit bekannter Wohnzimmer-Atmosphäre. Im Anschluss spielte unser Freund "Sergej P." noch Balkanbeats zum Ausklang.
Resümee: Otschen Rarascho. Bitte mehr davon.








